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Warum ich keine Kolinsky-Echthaarpinsel mehr kaufe

Ich beginne meinen Blog mit einem Thema, das mich seit längerem bewegt. Wer sich mit der Aquarellmalerei beschäftigt, stößt früher oder später auf eine Aussage, die sich durch nahezu alle Fachbücher zieht: Die besten Aquarellpinsel seien echte Kolinsky-Rotmarderpinsel. Begründet wird dies immer mit ihrer hohen Wasseraufnahme, der kontrollierten Farbabgabe und ihrer Fähigkeit, stets eine perfekte Spitze zu bilden.

Nach über 10 Jahren intensiver Aquarellmalerei und mehreren tausend Stunden praktischer Erfahrung komme ich allerdings zu einem anderen Ergebnis.

Natürlich habe ich den Empfehlungen der Fachliteratur vertraut und im Laufe der Jahre verschiedene Kolinsky-Pinsel namhafter Hersteller ausprobiert, darunter Modelle von Da Vinci, Royal Talens und Winsor & Newton, in unterschiedlichen Serien und Größen. Die versprochenen Vorteile konnte ich jedoch nie in der Form nachvollziehen.

Mein Hauptproblem ist die Spitzenbildung. Während in den Büchern von einer dauerhaft feinen und präzisen Spitze die Rede ist, verwandeln sich meine Pinselspitzen nach dem Malen recht schnell in trockene „Mopps". Bei der nächsten Sitzung und meinem detaillierten Malstil empfinde ich das als sehr störend. Dabei arbeite ich fast ausschließlich auf glatten Hot-Pressed-Papieren und nicht auf rauen Oberflächen, die die Pinsel stärker beanspruchen würden.

Mit viel Mühe kann man auch einen Echthaar-Kolinsky-Pinsel wieder spitz bekommen, zum Beispiel mit etwas Seife an den Fingerspitzen, die die Haare in ihre korrekte Form zusammenkleben. Der Zeitaufwand ist dabei aber klar höher, denn bei den meisten synthetischen Pinseln ist das gar nicht nötig — nach dem Auswaschen und Trocknen haben sie deutlich schneller wieder eine korrekte Spitze. Auch beim Malen können sie eine Weile liegen bleiben und trocknen dabei in der richtigen Form, während Echthaare schneller austrocknen und sich dabei auffächern. Synthetikpinsel sind hier einfach anwendungsfreundlicher und kosten weniger Zeit.

Auch die oft gelobte Wasseraufnahme der Echthaarpinsel überzeugt mich nicht. Fast immer müssen sie vergleichsweise lange gewässert werden, bevor sie überhaupt ausreichend Wasser aufnehmen. Ebenso wenig kann ich eine außergewöhnlich kontrollierte Wasserabgabe feststellen. Für großflächige Nass-in-Nass-Techniken mögen die Echthaarpinsel, sobald sie endlich genug Wasser gefasst haben, durchaus ausreichend oder sogar vorteilhaft sein. Für meine detailorientierte Arbeitsweise waren sie jedoch selten die optimale Wahl.

Überrascht haben mich dagegen schon nach wenigen Jahren Aquarellmalerei diverse Synthetikpinsel. Hochwertige synthetische Aquarellpinsel bilden sehr oft von selbst eine saubere Spitze aus, nehmen Wasser problemlos auf und geben es erstaunlich kontrolliert wieder ab. Besonders beeindrucken mich seit einer Weile die neuen synthetischen Kolinsky-Alternativen. Sehr gute Erfahrungen habe ich beispielsweise mit den Synthetik-Kolinsky-Pinseln von Raphael gemacht. Auch die Professional- und die Kolintik-Serien von Boesner funktionieren wunderbar.

Für meine Art der Aquarellmalerei liefern diese Pinsel genau die Eigenschaften, die ich mir wünsche: eine zuverlässige Spitze und Wasseraufnahme, gute Kontrolle und ein vorhersehbares Verhalten beim Malen.

Deshalb kaufe ich heute keine Echthaarpinsel mehr. Nicht aus ideologischen Gründen und auch nicht aus Kostengründen, sondern schlicht aus praktischer Erfahrung. Moderne synthetische Kolinsky-Nachbildungen funktionieren für mich besser.

Mein Rat lautet deshalb: Verlassen Sie sich nicht allein auf die Aussagen der Literatur. Probieren Sie verschiedene Pinsel selbst aus. Am Ende zählt nicht, aus welchem Material ein Pinsel besteht, sondern wie gut er zu Ihrer persönlichen Malweise passt.

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